Helmud, von C. Pahdauer
Kurzgeschichten, 112 Seiten, ISBN: 978-3-9802133-0-1
Unter dem Namen C. Pahdauer hat der Mardorfer Martin Stumpf
kurze skurille Geschichten aus dem zumeist dörflichen Alltagsleben geschrieben,
die auf unterhaltsame Weise mal zum Schmunzeln, mal zum Nachdenken anregen.
Textauszüge
In einer Straße irgendwo im Nirgendwo
Ein ganz normaler Tag, Leinen quietschen, Kindergeschrei,
Mütter brüllen.
Und da kommt Hein, Hein schiebt wie jeden verfluchten Tag
seine von ihm innig geliebte Schubkarre, ist sowieso nichts darin.
Odalinde, eine kleine, etwas sonderbare Frau - keiner
versteht ihr Geschnatter - springt Hein entgegen.
Wusch, zack, bumm, die Tasche im Gesicht.
Hein versucht noch auszuweichen, doch gelungen ist es nicht.
Wupp, klirr, patsch, auch Hein hat eine gute Rechte.
Die Nachbarn eilen herbei, die besten Plätze sind besetzt.
Eine Straßenschlacht? Nein, die Neugierde plagt, keiner will
das Fest verpassen, seit sechzig Jahren nur das Beste.
Zwei sich innig hassende Nachbarn.
Der Klingelbeutel
Eines Tages kam ich auf eine glorreiche Idee.
Mich zog es aufs Land, in ein kleines verschlafenes Nest.
Dort kaufte ich mir ein kleines, altes Fachwerkhäuschen,
renovierte dieses und zog ein.
Schon bei der Renovierung bemerkte ich die Begeisterung der
Einheimischen. Platt gestochene Reifen, verschwundenes Werkzeug oder Plakate
mit der Aufschrift "Hau ab", das Beil ist schon gewetzt.
Gut, dachte ich so bei mir, die wollen dich erst mal
kennenlernen.
Eigentlich ein beschaulicher kleiner Ort, nur nachts hörte
ich das ein oder andere mal schleifende Geräusche. Was mich natürlich nicht
entmutigte.
Gut, dachte ich so bei mir, eine erste Kontaktaufnahme ist
wohl von Nöten, nur wie und wo?
Es ist ein glaubensorientiertes Völkchen, die rennen jeden
Sonntag in die Kirche, die im Dorfzentrum steht.
Also gehen wir zur Sonntagsmesse.
Eine kleine Kirche, aber mit einer Empore, richtig schmuck.
Auf der Empore, dachte ich so bei mir, sehen mich alle und
es macht einen guten Eindruck. Etwas seltsam war es dann schon, denn
normalerweise spielt ne Orgel und einige singen und der Pfarrer fängt an zu
predigen.
Aber hier, hier geht gleich ein Klingelbeutel rum und jeder
nimmt etwas heraus. Die Messe dauerte auch nur zwanzig Minuten, alle gingen
freudestrahlend, nur der Pfarrer schaute etwas betrübt.
Gut, dachte ich so bei mir, es könnte ja nicht schaden, ein
Wort mit dem Pfarrer zu wechseln, um die einheimischen Gepflogenheiten besser
kennenzulernen. Ein Lächeln kam über seine Lippen und wir gingen nach draußen.
Er zeigte mir den Friedhof, eigentlich ganz normal, bis auf die seltsame
Hügellandschaft direkt daneben. Etwas erstaunt sah ich ihn an, und er sagte
mir: "Die, die da liegen, haben nicht gezahlt." Gut, jetzt, ein paar
Monate später, bin ich pleite, lebe wieder in der Stadt und mein Häuschen
gehört dem Pfarrer.