Bücher

Bücher im Grundblick Verlag

Bücher, die etwas zu sagen haben – Regionalgeschichte

Neben der Herausgabe von regionalen Zeitschriften bietet der Grundblick Verlag auch Bücher an.

Im Grundblick Verlag werden Bücher von Autorinnen und Autoren präsentiert, die in unterschiedlicher Form Geschichten erzählen. Leitlinie ist dabei das Schaffen von Literatur mit Substanz, weniger das Herumspielen mit Formen.

Um die Bücher näher kennenzulernen, können Sie neben einer Kurzbeschreibung in Leseproben schmökern und die Bücher natürlich auch direkt bestellen.

Der zweite Schwerpunkt ist die Regionalgeschichte. Unsere Zeitschriften-Serie „Damals“ bildet die Grundlage für die Bücher „Damals - Band 1 und 2“ in denen in verschiedenen Zeitepochen das Alltagsleben der Menschen in den Dörfern der Region Marburger Land beschrieben wird. 

Der Roman "In die neue Welt" verbindet Literatur und Regionalgeschichte, der Roman erzählt aus der Zeit auf dem Dorf vor 100 Jahren.

Der Grundblick ist offen für Autorinnen und Autoren, die etwas zu sagen und zu erzählen haben. Sie können sich gerne mit ihrer Idee, ihrem Manuskript an uns wenden.


Neuerscheinung:

Das Lindenhaus - Roman von Willi Schmidt

Paul erinnert sich an das „Lindenhaus“, ein alternatives Tagungshaus, wo er bei einer Reise Anfang der 1990er Jahre das Mädchen Katrin kennenlernt, das sich nach einer Theaterfigur von Frank Wedekind „Lulu“ nennt. Sie wird Pauls große Liebe. Als er nach seiner ersten Begegnung mit Lulu später in das Lindenhaus zurückkehrt, um sie wiederzusehen, ist diese mit ihrer Freundin Jenny verschwunden.

Viele Jahre später, in der Gegenwart, nimmt Lulu wieder Kontakt zu Paul auf, der sich inzwischen als politisch engagierter Journalist einen Namen gemacht hat  und ihre Liebe erwacht aufs Neue. Sie fahren gemeinsam in das mittlerweile leerstehende „Lindenhaus“. Lulu hat sich politisch radikalisiert und ist untergetaucht, sucht dabei Pauls Hilfe. In einer Nacht im „Lindenhaus“ erzählen sie sich ihr Leben, wozu auch traumatische Erlebnisse aus Lulus Vergangenheit gehören, bis sich am anderen Tag die Lage dramatisch zuspitzt…

So brüchig wie die Liebe ist auch die Form des Romans; so sind Gedichte, Film- und Theaterdialoge sowie politische Kolumnen eingearbeitet, welche den gesellschaftlichen Hintergrund der 90er Jahre bis in die Gegenwart beschreiben.

ISBN:  978-3-9817063-2-1  - 16,50 Euro - ab sofort erhältlich



Die Bücher im Überblick

- Aus der Tiefe der Hölle, ein Roman von  Willi Schmidt über das Lebensgefühl von Jugendlichen in den 1970er Jahren, das Ende der dörflich-behüteten Kindheit und zugleich den Anfang einer radikalen Lebensveränderung. 10,00 Euro.

- Am Ende der Welt, eine spannende Krimi-Erzählung von Joachim Berg, bei der Phantasie und Wirklichkeit unmerklich miteinander verschwimmt. 10,00 Euro.

- Und draußen regnet es, Prosa und Lyrik von Alice Kerpen, Momentaufnahmen nüchterner Poesie. 8,00 Euro.

- Damals, Band 1, Geschichten und Überlieferungen aus der Region Marburger Land  - 18. Jahrhundert bis zur Zeit nach dem 2. Weltkrieg - 10,00 Euro.

- Damals, Band 2, Geschichten und Überlieferungen aus der Region Marburger Land - Die Nachkriegszeit - 12,00 Euro

- Das Wirtshaus an der Lahn, die gleichnamige Erzählung von Willi Schmidt über die Zeit der Fuhrleute um 1900 zu dem erfolgreichen Theaterstück in der Marburger Waggonhalle. 7,00 Euro.

- Männer, Briefe, Depressionen von Nora Leminki. Aus der Rubrik "amüsante Frauenliteratur": Nora Leminki präsentiert in ihrem Erstlingsroman die Geschichte von Gabi, die sich mehr oder minder freiwillig in einer Rehaklinik fern der Heimat wiederfindet. Auch, um sich die Zeit in der Ferne zu vertreiben, erinnert sich die Protagonistin an vergangene Männerbekanntschaften - augenzwinkernd und heiter, aber auch mal melancholisch und nachdenklich. Und hier und da findet frau sich zwischen den Zeilen auch mal wieder... 12,00 Euro.

- In die neue Welt, von Willi Schmidt, ein historischer Roman aus Oberhessen, spielt in den Dörfern rund um Marburg, sowie im zweiten Teil auch im Auswanderer-Milieu in Hamburg, vor Beginn des 1. Weltkriegs. 15,80 Euro.

- Schlag auf Schlag: der Weg einer jungen, hochbegabten Frau nach einer Hirnblutung, ein Roman von Emely Oak, anhand von Tagebüchern und Erinnerungen über Schulzeit, Krankenhausaufenthalte und Reisebegegnungen. 16,50 Euro.

- Vergessene Legenden - Phantasy und mehr .... Roman von Candrac von Hainrichs, nicht nur für Phantasy-Liebhaber ein spannendes Leseereignis. 24,00 Euro.


Die Bücher sind erhältlich im Internet-Shop „www.syntropia.de“, per Mail-Bestellung im Grundblick über „post@grundblick.de“ (formlose Mail genügt), telefonischer Bestellung, Tel. 06424/929240 oder im Buchhandel. Wenn Sie in der Nähe wohnen, können Sie die Bücher auch nach vorheriger Absprache in unserem Büro abholen.


Als CD erhältlich: Festhalten, was nicht  festzuhalten ist ...

Ein Konzert mit Worten und Musik

CD mit der Musikerin Sarah Zajusch (Mandoline, Gitarre) und dem Autor und Schauspieler Willi Schmidt (Texte).
Das scheinbar plötzliche Dasein der Liebe und das ebenso unerklärliche Verschwinden, Momente des Glücks, die festgehalten werden wollen und doch nicht festzuhalten sind, die Melancholie und der Schmerz des Vergänglichen, sind die wesentlichen Themen welche Texte und Musik inspirieren. Mal stehen die Worte für sich, mal die Musik, doch immer wieder verschmilzt beides, entstehen Dialog und gemeinsame Dynamik.
Die CD ist über den Vertrieb des Grundblick-Verlags (Tel. 06424 / 929240 oder post@grundblick.de) für 8,50 Euro incl. Versand erhältlich.


Aktuelle Bücher:


Damals-Buch, Band 2 - Die Nachkriegszeit

Nachdem das Buch "Damals - Geschichten und Überlieferungen aus der Region Marburger Land" auf großes Interesse der Leserinnen und Leser gestoßen ist, erscheint nun Damals - Band 2, mit dem Schwerpunkt Nachkriegsgeschichte, die 1950er und 1960er Jahre.
Wie schon im ersten Buch steht dabei der Alltag der "normalen" Menschen in unserer Region im Mittelpunkt. Ein Teil der Beiträge ist in den verschiedenen Monatsmagazinen, die im Grundblick-Verlag erscheinen, bereits abgedruckt worden. Für das Buch wurden sie neu sortiert und bearbeitet. Hinzu gekommen sind noch weitere thematische Beiträge der Journalistin und Historikerin Patricia Kutsch, die gemeinsam mit dem Grundblick-Verleger Willi Schmidt das Buch herausbringt. Unabhängig von der Zeit-Chronologie werden hierbei auch Themen aus der regionalen Nazi-Vergangenheit behandelt, welche in typischer Weise für die Nachkriegszeit, lange Jahre verdrängt wurden.

ISBN: 978-3-9817063-1-4    12,00 Euro
Erhältlich über den Grundblick, post@grundblick.de, Tel. 06424/929240 (Lieferung per Post auf Rechnung, nach Absprache auch Abholung möglich)
oder über www.syntropia.de oder den Buchhandel



Emely Oak: Schlag auf Schlag

Roman, 260 S.,19x12cm, kartoniert, ISBN: 978-3-9802133-1-8, 16,50 Euro



Eine hochbegabte junge Frau beschreibt anhand von Tagebüchern und Erinnerungen ihre Probleme während der Schulzeit: Einsamkeit und Depression führen zu Depersonalisation und selbstverletzendem Verhalten. Mit zwanzig Jahren erleidet sie eine Gehirnblutung. Der lange Krankenhausaufenthalt gibt ihr die Möglichkeit, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und die erlittenen Traumatisierungen zu verarbeiten: Die Kindheit bei der alleinerziehenden psychisch kranken Mutter und das Leben in einer Pflegefamilie. Die Nahtoderfahrung durch den Hirnschlag gibt ihr den Mut, ihren eigenen Weg zu gehen und die Erwartungen der Umwelt hinter sich zu lassen. Sie sieht diesen Schicksalsschlag als Chance, das Streben nach Leistung aufzugeben und glücklich zu sein.

Über die Autorin:
Emely Oak wurde 1986 in Deutschland geboren. Sie besuchte eine Waldorfschule, später ein Gymnasium. Mit Zwanzig erlitt sie während der Abiturvorbereitung eine Hirnblutung. Daraufhin konzentrierte sie sich schon bald auf das Schreiben. Sie wurde Mitglied eines Schreibvereins. Durch das Niederschreiben ihrer Biografie schaffte sie es, ihre traumatischen Vergangenheitserlebnisse mit ihrer psychisch erkrankten Mutter und der Pflegefamilie zu verarbeiten, und sie schaffte es ebenfalls, den Ehrgeiz, sowie den Perfektionismus, die Nachteile ihrer Hochbegabung, abzulegen.
Da sie bereits seit ihrem dreizehnten Lebensjahr aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten Spieltherapie bekam, lernte sie schon sehr früh, einen distanzierten Blick auf ihr eigenes Leben zu werfen und das Verhalten ihrer Mitmenschen zu analysieren und zu hinterfragen. Ihre Beobachtungen schrieb sie in Tagebüchern nieder. Seit 2014 ist sie Mitglied im Verein für Hochbegabte ‚Mensa' und setzt sich in einer NGO für die Rechte indigener Völker ein.
Bisher veröffentlichte sie einige Kurzgeschichten und Gedichte in Anthologien, E-Books und Literaturzeitschriften, sowie Erlebnis- berichte in Vereinszeitungen. 2013 erschien eine Kurzfassung ihrer Autobiografie im Buchprojekt "Übersehene Kinder - Kinder von Borderline-Müttern" (Marta Press). Seit Juli 2011 nimmt sie regelmäßig an verschiedensten Lesungen in ganz Deutschland teil.



Candrac von Hainrichs:

Vergessene Legenden - Der Helden Berufung
der philosophische Fantasy-Roman

Roman, 536 Seiten, 14,8 x 21 cm, kartoniert,  ISBN: 978-3-9817063-0-7, 24,00 Euro


Kurzbeschreibung:

 

In einer kriegsbedrohten Welt, die durch anonyme Terrorangriffe und umstrittene Entscheidungen der Regierungsfürsten eines mächtigen Landes im Chaos zu versinken droht, suchen vier Freunde, durch persönliche Sorgen und Konflikte verunsichert, Hilfe bei einem uralten Orakel, um den Weg zu einem erfüllten Leben zu finden …"

 

Inhaltsangabe:

 

Nachdem der Adept Tantruid erfolgreich zum Erzwächter ernannt worden ist, verbringt er zusammen mit seinen Freunden Pokétragon, Lavenda und Jadegreif einige Zeit im Schloss des spirituellen Ordens. Doch obwohl sie innig verbunden sind, merken sie, dass jeder seinen eigenen Weg gehen muss, um im Leben etwas zu bewirken. Aber voneinander loszulassen fällt ihnen schwer. Zumal das kriegsbedrohte Land Abenmark vom regierenden Hohen Rat durch umstrittene Entscheidungen immer mehr ins Chaos gestürzt wird.

Plötzlich erfahren sie vom Tod ihres einzigen Verbündeten im Hohen Rat. Tantruid erinnert sich daraufhin an die Weissagung eines Orakels und so beginnt er nach einem geheimnisvollen Lehrmeister zu suchen, der ihm beibringen soll, in kriegerischen Zeiten ein friedvolles Leben zu führen. Die heilkundige Lavenda zieht es nach dem Weggang ihres Freundes ins zerrüttete Königreich Liberak, in der Hoffnung, dort eine Anstellung am Hofe zu erhalten, während der Barde Pokétragon in der Hauptstadt Abenmarks mit der Veröffentlichung einer „Zeitenschrift“ die Bürger vor dem korrupten Hohen Rat warnen will. Und als der Dämonenjäger und Geschichtsforscher Jadegreif erfährt, dass man ihn zum Nachfolger des verstorbenen Ratsfürsten ernannt hat, entschließt auch er sich dazu, seinem persönlichen Schicksal im Kreis der Regierenden entgegenzutreten.

Durch magische Kristallkugeln bleiben sie durch die Kraft der Gedanken weiter untereinander in Verbindung …



Das Wirtshaus an der Lahn

Erzählung von Willi Schmidt, als Grundlage für das gleichnamige Theaterstück

8,00 Euro

Das Marburger Wirtshaus an der Lahn ist Legende. Über Jahrhunderte war der malerisch an der Lahn gelegene Fachwerkhof Treffpunkt für Fuhrleute, Soldaten, Studenten und Marburger Bürger. 1970 wurde das Wirtshaus an der Lahn abgerissen und stattdessen ein Hochhaus errichtet, der sogenannte „Affenfelsen“ am Fuß der Adenauerbrücke.

Mit dem Abriss 1970 setzt auch die Geschichte von Willi Schmidt ein, bei dem das Wirtshaus an der Lahn zu neuem Leben erweckt wird: Es ist spät in der Nacht. Vom Abriss steht noch eine kleine Fachwerkruine. Das Studentenpärchen Peter und Gisela hat sich hierher zurückgezogen. Der Mond leuchtet kupfernfarben und nimmt die beiden jungen Leute mit auf eine Zeitreise, aus der sie am Ende des 19. Jahrhunderts erwachen.

Mit ihnen nimmt man teil an den Schicksalen von Fuhrleuten, Studenten und Professoren, Landfrauen, Mägden und Gestrauchelten. Über die persönlichen Erlebnisse wird nicht nur ein Stück Marburger Geschichte lebendig gemacht, sondern auch ein Blick auf die Zeit kurz vor der Jahrhundertwende geworfen, mit ihren politischen und gesellschaftlichen Strukturen.

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Textauszüge

 

Das Holz knackte, als sich Peter schwungvoll auf einen der freistehenden Balken setzte.

"Ich zieh dich hoch, das hält uns aus", lachte er zu seiner Begleiterin hinunter, die unschlüssig an der Fachwerkruine lehnte. Gisela war zierlich und ließ sich leicht von Peter hochziehen, auch wenn dieser alle andere als muskulös war, dafür aber lange Arme und auffallend große Hände hatte.

"Hier muss die Tür vom alten Wirtshaus gewesen sein", überlegte Peter laut. "Und dahinter ging es in den Schankraum. Wir schauen uns gleich noch ein bisschen um. Vielleicht finden wir dahinten, wo die Ställe waren, ein Bettchen aus Stroh für uns."

Gisela war unschlüssig: "Sieht schon unheimlich aus hier. Ist doch auch eine Baustelle. Bestimmt dürfen wir gar nicht hier sein."

"Ach klar." Peter legte seinen Arm um ihre Schulter.

So hockten die beiden Studenten dicht beieinander auf Balken, die von der Abrissmaßnahme noch stehen geblieben waren und blickten in die sternlose Nacht. Obwohl es schon nach Mitternacht war, hatte sich die Wärme des Tages noch etwas gehalten. Eine Wärme, die für die Vorfrühlingszeit ungewöhnlich hoch war, als sei es eben gerade noch Winter gewesen und jetzt, von einem Tag auf den anderen übergangslos Sommer geworden.

Die dichte Wolkendecke lockerte sich ein wenig. Der Mond schwebte als flache Scheibe hervor und färbte sich kupfernfarben.

"Schau mal, Pedro, der Mond!" rief Gisela. Sie nannte ihn Pedro. Das klang nicht nur schwungvoller, sondern auch fremdländischer, irgendwie nach weiter Welt, wie sie empfand. "Der Mond ist kupfernfarben."

"Ja und?" Peter zuckte mit den Schultern. "Kommt manchmal vor."

"Da muss ich immer an meinen Opa denken", fuhr Gisela fort. "Wenn der Mond kupfern ist, muss man sich davor hüten in den Wald zu gehen, hat er uns Kindern erzählt. Und dann fing er an, uns Geschichten zu erzählen. Von geheimnisvollen Wesen, die nachts im Wald leben und aus dem Geröll herauskommen, wenn der Mond kupfern ist."

Peter kniff sie in den Nacken und sie erschrak quiekend und lautstark, wie gewünscht.

"Das sind ja Schauergeschichten", lachte er, "ich studiere zwar keine Physik, aber ich glaube, dass hängt mit der Luftfeuchtigkeit zusammen, wenn sich der Mond so färbt. Ich mache mich da mal kundig."

In dem Moment kam es Gisela so vor, als hörte sie eine fremde Stimme, die Peter nachäffte: "Kundig, kundig", echote es.

"Lass das", erwiderte Gisela und boxte Peter leicht in die Rippen.

"Was denn? Ich habe nichts gemacht."

"Wusste gar nicht, dass du die Stimme so verstellen kannst."

"Kann ich auch nicht."

"Nicht? Bist vielleicht ein Quatschkopp." Gisela war etwas beunruhigt.

"Selber Quatschkopp." Peter kniff ihr in die Rippen und lachte. "Hörst du Stimmen? Und ich dachte ihr Theologen würdet heutzutage ganz wissenschaftlich an die Sache herangehen."

Er sprang vom Balken, hob Gisela herunter und beide ließen sich auf den weichen Grasboden fallen. Dann drückte Peter Gisela dicht an sich, seine Finger streichelten sich unter ihr Hemd und kitzelten sie, als sie ihren Bauch erreichten. Sie lachte auf. "Wenn ich mal Pfarrerin bin, werde ich auch Geschichten vom kupfernen Mond erzählen."

Peter küsste sie auf das Ohr und eine wohlige Gänsehaut durchströmte sie.

"Gisele", flüsterte er.

"Gisele, Gisele", flüsterten daraufhin sanfte Stimmen.

Und wurden zu einem Chor säuselnder Stimmen, die Peter und Gisela in den Schlaf wiegten, bevor sie anfangen konnten, sich verwunderte Gedanken zu machen.

 

(...)

 

Der erste Tag

 

1

 

Es war ein sonniger Frühlingsmorgen, als zwei ältere Herren in sorgfältiger Garderobe unschlüssig vor der mächtigen Wirtshaustür standen. Der größere der beiden strich sich über den fein säuberlich geschnittenen Schnurrbart, räusperte sich und klopfte ein drittes mal. Jetzt kräftiger. Zweimal hatte er es schon versucht, ohne dass sich hinter der Tür etwas zu regen schien.

"Zu früh, wir sind zu früh", nuschelte der Kleinere und schien erleichtert.

"Justus, Sie müssen konsequent bleiben und hartnäckig. Konsequent und hartnäckig", wiederholte der Größere mit strenger Miene und klarer Stimme.

"Ja, natürlich, Herr Professor." Justus gab sofort auf. "Aber was sollen wir denn tun?" fügte er hinzu. "Wir können doch nicht einfach die Tür einschlagen."

"Nein, das können wir nicht." Der Professor lächelte milde. "Das würde uns bei dieser Tür wohl schwerlich gelingen. Frühes 17. Jahrhundert, würde ich sagen. Beste, gut abgelagerte Eiche. Vortrefflich gearbeitet. Da würden auch die Muskelmänner vom Jahrmarkt scheitern. Nicht unser Stil, Justus. Kommen Sie, wir schauen uns mal um in diesem Etablissement."

Das letzte Wort betonte er auf besonders abfällige Weise, als sie sich auf den Weg in den Garten des Wirtshauses begaben. Justus folgte widerwillig und begutachtete seine sauberen schwarzen Schuhe, die wohl oder übel ihre Schritte auf den feuchten Grasboden setzten mussten.

Der Garten zog sich weit bis an den Fluss. Hinter knorrigen blühenden Apfelbäumen sah man träge die Lahn fließen, die Morgensonne glitzerte gemütlich auf dem Wasser.

Der hohe Herr von der Universität und sein Untergebener hatten jedoch keinen Blick für den morgendlichen Fluss, sondern erhofften sich von hinten Einlass in das Wirtshaus an der Lahn, denn sie wollten in dringender Angelegenheit die Wirtin sprechen.

Unter den kreuz und quer herumstehenden Holzstühlen und Bänken war das Gras zertrampelt, die Erde aufgeweicht, so dass Justus trotz aller Bemühungen eine leichte Verunreinigung seiner Schuhe nicht vermeiden konnte. Am Rande des verschiedenenartigen Gartenmobiliars wuchsen üppig Gräser und Büsche, ausladend gelb blühende Forsythien wechselten mit dem noch zarten Grün aufstrebender Brennnesseln.

"Über einen Gärtner verfügen die Wirtsleute wohl nicht", mokierte sich Justus. "Ist das denn erlaubt, wenn Gäste bewirtet werden, alles einfach so wachsen so lassen?" wandte er sich an seinen Herrn Professor.

"Das werden wir überprüfen, mein lieber Justus. Eine gute Anregung. Gute Anregung." Der Professor erhob die Stimme, als habe er seine Studenten vor sich im Hörsaal. "Wir müssen darauf bedacht sein, alle Eventualitäten des öffentlichen Lebens genauestens zu regeln, penibel genau, möchte ich sagen. Und wenn wir die lückenloseste Lücke entdecken, so dürfen wir nicht zögern sie sogleich mit exakt formulierten Paragraphen zu schließen. Denn es wäre denkbar bedenklich die winzigste Lücke nicht lückenlos zu schließen, ist sie doch der Keim aller Entgleisung, aller Ausschweifung, wie sie gerade hier in diesem Etablissement die jugendliche Sittlichkeit unserer Studenten erschüttert."

Justus nickte zufrieden. Sie waren am Hintereingang angekommen.

"Da", der Professor hob die Hand. "Die Tür ist angelehnt. Geh voran, mein Justus."

Aber Justus zögerte. "Dürfen wir das denn? Einfach so in fremdes Eigentum eindringen."

"Das ist ein öffentlicher Ort", erklärte der Professor. "Und sind wir denn nicht auch Hüter der öffentlichen Ordnung? Wer könnte öffentlicher die Öffentlichkeit repräsentieren als wir, die wir nicht nur die öffentliche Ordnung durchsetzen, sondern sie erschaffen zum Wohle der Öffentlichkeit. Also voran Justus. Mach die Tür auf."

Und Justus ging voran. Durch dichte Haselnussbüsche, deren Knospen schon sanft gefärbt hervortraten, durch schilfiges Gras schritt er zügig auf die Tür zu, als er über etwas großes, weiches stolperte. Der Schreck durchfuhr ihn, als er sich um sah. "Herr Professor!" rief er hilfesuchend.

Der war schon bei ihm und sah mit Justus zwei merkwürdig gekleidete junge  Menschen, ein Mann und eine Frau, neben dem Hintereingang im dichten Gras liegen.

"Was ist das denn?" fragte er sich laut und schüttelte den Kopf. Dann fiel sein Blick langsam auf die Beine der jungen Frau. Sie trug einen Rock, so kurz wie er es noch nie gesehen hatte. Auch Justus wurde von dem Anblick magisch angezogen. Seine Augen folgten den nackten Beinen der Frau bis an das Ende des Horizonts. Er seufzte schwer.

"Unglaublich", sagte der Professor. "Ein solches Ausmaß an sittlicher Entgleisung. Unglaublich entgleisend."

"Ist das denn echt?" Justus war ein wenig verwirrt. Und in seiner Verwirrung wurde er mutig. Ohne Anweisungen seines Professors abzuwarten, huschte er zu der Frau, befühlte an ihren Beinen ihre Echtheit, tastete sich voran Richtung Horizont, voller Erfüllung und Vorfreude auf ein neues, noch nie zuvor gesehenes Spielzeug.

"Die verwahrloseste Verwahrlosung die mir je zu Augen gekommen ist!" donnerte die mächtige Professorenstimme hinter ihm.

"Aber schön, so schön, och wie ist das schön", nuschelte Justus freudig erregt vor sich hin spielend und roch genüsslich an der fremden Frauenhaut.

"Justus!" Der Professor musste eingreifen.

Justus sprang sofort auf. "Ja, aber die sittlichste Vergleisung. Ja, unsittlich, meine ich. Unsittliche Verheißung." Justus schwitzte. Sein Hut war verrutscht.

Jetzt prüfte der Professor selbst die Echtheit jener Frauenbeine, hob den Rock, tastete, schnupperte, als habe er eine Witterung aufgenommen.

"Welch fremder Duft", murmelte er, "verruchte Versuchung. Teuflisch schön, hm..." Er wurde unterbrochen.


Offen für neue Autorinnen und Autoren

Bei der Erstellung unseres Verlagsprogramms sind wir sehr darauf bedacht, dass nicht nur die Literatur, sondern auch der Autor in unser Konzept hineinpasst. Denn wir sind interessiert an der kreativen Mitwirkung von Autoren an der Entstehung des Buches.

Somit gibt es neben der meist üblichen prozentualen Honorarausschüttung bei uns als zweite Variante die Gewinnbeteiligung. Diese bedeutet, dass nach Finanzierung der Entstehungsinvestition (Lay-Out, Lektorat, Herstellung der Erstauflage) der Gewinn des Buches zwischen Autor und Verlag zu gleichen Teilen geteilt wird.

Hergestellt werden unsere Bücher im „book-on-demand“-Verfahren, die per hochwertigem Digitaldruck jederzeit nachgedruckt werden kann. Details müssten bei gegenseitigem Interesse natürlich noch besprochen werden.

Falls Sie Interesse an einer solchen Zusammenarbeit haben, setzen Sie sich mit uns in Verbindung. Um dann gewissenhaft einschätzen zu können, ob Ihr Buch Teil unseres Verlagsprogramms werden könnte, bitten wir nach Zusendung der Inhaltsangabe noch um eine etwa 10seitige aussagekräftige Leseprobe sowie eine kurze Vita Ihrer Person.

Kontakt: post@grundblick.de   Tel. 06424/929240



Grundblick-Vertrieb:

Geschenktes Herz - Geschenktes Leben

Erlebnisse und Erfahrungen vor und nach meiner Herztransplantation 2011, von Claudia E. Cloos, Ebsdorfergrund-Beltershausen, Preis: 11,00 Euro. Vertrieb: post@grundblick.de, Tel. 06424/929240
Das Büchlein beschreibt den Alltag einer Patientin (ich selbst) während des 7-monatigen Krankenhausaufenthaltes in der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim. Mit festem Vertrauen auf Gott, auf die Ärzte und mit großer Unterstützung durch Ehemann, Eltern und weiteren Familienmitgliedern, Freunden, Nachbarn und den Menschen ihres Dorfes erlebt die Patientin die Probleme und Tiefpunkte während der Wartezeit auf ein Spenderherz. Sie versucht das Leben „in Gefangenschaft“ mit Humor zu meistern.  Ebenso erleben die Leser/innen die erste Zeit nach der Transplantation im Krankenhaus sowie die ersten Therapieerfolge in der Reha mit. Das Buch möchte ein „Mutmacher“ sein und zum Nachdenken anregen.

Die Autorin:

Claudia Erika Cloos, geboren 1958 in Marburg an der Lahn. Ausbildung zur Bürokauffrau 1975-1978. Danach 33 Jahre Sekretärin/Verwaltungsangestellte an der Philipps-Universität Marburg. Meine ersten Gedichte und Geschichten entstanden zu Familienfeiern. Seit 2009 beschäftige ich mich mit Haiku. Während des langen Krankenhausaufenthaltes 2011 aufgrund meiner schweren Herzerkrankung fand ich wieder zum Dichten. In der Zeit eines nochmaligen Krankenhausaufenthaltes im Juli 2012 begann ich meine Erlebnisse aufzuschreiben – auswendig und „aus dem Bauch heraus“. Meine „Leidens- und Wartegenossin, Alma“, meine Mentorin und Lektorin Carla sowie Freund Eberhard haben mich zu diesem Büchlein inspiriert. Seit 1983 bin ich verheiratet und wohne mit meinem Ehemann in Ebsdorfergrund, nahe Marburg.







http://www.youtube.com/watch?v=y2t457N5th0


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In die neue Welt - Eine oberhessische Geschichte
Roman von Willi Schmidt




Ein oberhessisches Dorf vor 100 Jahren. Nach dem Kirmes-Besuch ein paar Dörfer weiter kommen "Burschen" und "Weibsleute" im Morgengrauen auf dem Heimweg  an den Bahnhof im Nachbardorf. Einer hat die Idee, den weiteren Weg nicht noch zu laufen, sondern mit der Bahn zu fahren. Sie schieben einen leeren Waggon vom Nebengleis auf das Hauptgleis und stellen die Weichen richtig. Bei dem Gefälle können sie auf die Lokomotive verzichten, der Wagen läuft von selbst und bringt sie nach Hause.
Mit dieser Überlieferung beginnt der Roman um die beiden befreundeten Knechte Gotthard und Heinrich sowie der Bauerntochter Luise. Das Dorfleben ist bis hinein in persönliche Beziehungen streng reglementiert. Als sich Gotthard, der Knecht und Luise, die Bauerntochter verlieben, ist das eine Unmöglichkeit. Luises Schwester wurde schon "zwangsverheiratet" und als diese stirbt, soll sie - wie es in dieser Zeit nicht unüblich war - die neue Frau ihres Schwagers werden. Doch Luise ist widerspenstig, hat Träume von einem anderen Leben und Gotthard und Heinrich haben von Auswanderern nach Amerika gehört, wo alle frei sein sollen, wo es keine Standesunterschiede geben soll... Auf Grundlage der beiden ersten Theaterstücke der gleichnamigen Trilogie, die in der Marburger Waggonhalle uraufgeführt wurden, steht in Willi Schmidts Roman die intensive und unangepasste Gefühlswelt der jungen Luise im Mittelpunkt, die sie aus dem Dorf weg treibt. Aber auch in der Großstadtwelt des Hamburger Hafenmilieus, in der sie mit Gotthard und Heinrich im zweiten Teil des Romans landet, findet ihre Sehnsucht keine Erfüllung.


Übrigens: Wenn Sie sich für Theater interessieren, schauen Sie doch mal auf die Seite

www.theater-im-grund.de



Die Autoren


Alice Kerpen ist 1984 in Andernach am Rhein geboren, bis 2003 in Bad Nauheim zur Schule gegangen und studiert seit Herbst 2003 an der Universität Marburg Dipl. Pädagogik. 2002, 2004 und 2007 gehörte sie zu den Preisträgern beim „Jungen Literaturforum Hessen-Thüringen“. In diesem Zusammenhang wurden Texte von ihr in der Anthologie „Nagelprobe“ veröffentlicht. Zweimal gewann sie den Kurzgeschichtenwettbewerb der Fachschaft Germanistik an der Uni Marburg, jeweils sowohl Publikums- als auch Jurypreis (Januar und Juli 2006).


Emely Oak wurde 1986 in Deutschland geboren. Sie besuchte eine Waldorfschule, später ein Gymnasium. Mit Zwanzig erlitt sie während der Abiturvorbereitung eine Hirnblutung. Daraufhin konzentrierte sie sich schon bald auf das Schreiben. Sie wurde Mitglied eines Schreibvereins. Durch das Niederschreiben ihrer Biografie schaffte sie es, ihre traumatischen Vergangenheitserlebnisse mit ihrer psychisch erkrankten Mutter und der Pflegefamilie zu verarbeiten, und sie schaffte es ebenfalls, den Ehrgeiz, sowie den Perfektionismus, die Nachteile ihrer Hochbegabung, abzulegen.
Da sie bereits seit ihrem dreizehnten Lebensjahr aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten Spieltherapie bekam, lernte sie schon sehr früh, einen distanzierten Blick auf ihr eigenes Leben zu werfen und das Verhalten ihrer Mitmenschen zu analysieren und zu hinterfragen. Ihre Beobachtungen schrieb sie in Tagebüchern nieder. Seit 2014 ist sie Mitglied im Verein für Hochbegabte ‚Mensa' und setzt sich in einer NGO für die Rechte indigener Völker ein.
Bisher veröffentlichte sie einige Kurzgeschichten und Gedichte in Anthologien, E-Books und Literaturzeitschriften, sowie Erlebnis- berichte in Vereinszeitungen. 2013 erschien eine Kurzfassung ihrer Autobiografie im Buchprojekt "Übersehene Kinder - Kinder von Borderline-Müttern" (Marta Press). Seit Juli 2011 nimmt sie regelmäßig an verschiedensten Lesungen in ganz Deutschland teil.


Willi Schmidt, Jahrgang 1960, gelernter Koch und Sozialpädagoge. In beiden Berufen arbeitete er gelegentlich nebenher. Seit Ende der 80er Jahre ist er beruflich selbständig und Mitbegründer des Marburger Kulturzentrums Waggonhalle. Hier entstehen seit 2007 unter seine Regie Theaterprojekte, die sich mit regionaler Geschichte beschäftigen.

1999 erschien nach verschiedenen Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien sein erstes Buch “Zerbrochene Zeit” in einem Dresdner Verlag.

 

Joachim Berg, geboren 1966, aufgewachsen in einem kleinen Ort im Harz, Studienaufenthalt in Frankfurt, lebt und arbeitet seit vielen Jahren in Hamburg.

Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien.


Nora Leminki, Jahrgang 1967, lebt mit ihrer Familie, Hund und Kater in einem kleinen
mittelhessischen Dörfchen. Nach Ausbildung und Studium war sie viele Jahre in einer Einrichtung für körperlich Gehandicapte angestellt, bevor sie sich aus gesundheitlichen Gründen aus ihrem Beruf zurückzog; seither arbeitet sie als freie Mitarbeiterin für verschiedene Verlage.