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Liebe Leserinnen und Leser,
willkommen auf unserer Internetseite. Als Mitbetreiber des Grundblick-Verlages möchte ich Sie an dieser Stelle immer mit meinem monatlichen Vorwort begrüßen, welches in den meisten unserer Zeitungen auch abgedruckt ist. Anregungen, Meinungen, Kritik dazu begrüße ich ausdrücklich.
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Ihr Willi Schmidt

Aktuell:
Da das monatliche Vorwort immer mal wieder für Diskussionen sorgt, sind diese ab sofort auch im Nachhinein zum Nachlesen eingefügt - immer nach dem aktuellen Vorwort chronologisch aufgelistet. Anmerkungen dazu sind herzlich willkommen. Kontakt: post@grundblick.de



Guten Tag

Was wünscht man sich im neuen Jahr? Zumeist wohl Gesundheit und dass es einem gut geht, körperlich und seelisch und den Menschen, die einem nahe sind. Das mögen vor allem diejenigen zu schätzen wissen, die im vergangenen Jahr an einer ernsthaften Krankheit litten oder einen Menschen verloren haben, der einem nahe stand.
Obwohl - oder vielleicht auch gerade weil ich dies im abgelaufenen Jahr erlebt habe, kann es mir nicht uneingeschränkt gut gehen, wenn man gleichzeitig weiß, dass es sehr vielen Menschen auf der Welt ganz und gar nicht gut geht. Und zwar nicht wegen eines unabänderlichen Schicksals, sondern aufgrund von politischen Verhältnissen, die eben änderbar sind. Das Prinzip, dass einige wenige auf Kosten vieler sich materiell unverhältnismäßig bereichern, ist für mich heute genausowenig hinnehmbar wie in der Zeit, als ich als Jugendlicher politisch zu denken begann. Wenn die Not am größten ist, lässt sich am besten verdienen. Deshalb haben die wirtschaftlich Mächtigen auch keine Veranlassung Veränderung zuzulassen, denn mit der Moral ist es nicht weit her, wenn so richtig viel Geld auf dem Spiel steht.
Warum aber sind grundlegende Veränderungen so langwierig? Ich habe mich in letzter Zeit durch meine Theaterarbeit, vor allem über das Stück “Schlaf der Geige” mit der Ideologie der “Euthanasie” in den 1930er Jahren beschäftigt. Und diese Ideologie war nicht nur prägend für die Nazis, sondern z. B. auch in den USA sehr verbreitet, ganz besonders in wissenschaftlichen und medizinischen Kreisen.
Das erschreckende jedoch ist, dass der Grundgedanke der dahinter steht - nämlich das bestimmte Menschen bzw. sogenannte Rassen weniger wert sind als andere - auch heute in den Köpfen vieler Menschen existent ist. Das wird z. B. in der Sprache deutlich, die Wirtschaftspolitiker häufig von sich geben: da ist von deutschen oder europäischen Interessen die Rede, von Wirtschaftswachstum, welches angeblich “zum Wohlstand in unserem Land” führt usw. Im Klartext heißt das: wenn aufgrund unseres Wirtschaftens irgendwo in Afrika Wasserquellen versiegen und dadurch Menschen verhungern, dann ist das scheißegal, denn wir Deutsche oder Europäer sind mehr wert als Afrikaner. Und leider nimmt die Masse der Menschen dies einfach hin. Vielleicht weil man selbst zu den Priviligierten zählt, vermeintlich jedenfalls, und aus Angst es könne einem schlechter gehen, bei Veränderungen. Das ist der eigentlich zerstörerische alltägliche Rassismus in den Köpfen.

Herzlichst  
Ihr Willi Schmidt


Zur Lage ...

Das monatliche Vorwort zum Nachlesen


Dezember 2011

Die Mordserie von rechten Terroristen hat für sehr viel Aufsehen gesorgt. Doch kommt dies wirklich überraschend, sind die haarsträubenden Fehler in der Aufklärung, insbesondere in Reihen des Verfassungsschutzes wirklich Zufall? Zusammenhänge: Die neuste Aktion von Günter Wallraff. Er reiste als „Schwarzer“ durch Deutschland, ging in ganz normale Kneipen, hielt sich auf öffentlichen Plätzen auf, hatte unterschiedliche Begegnungen mit Behörden. Das Ergebnis war ein schwer erträgliches Ausmaß an alltäglichem Rassismus in unserem Land....
Die „Normalität“ in so manchen ländlichen Gebieten in östlichen Bundesländern: die NPD und ihre Symphatisanten haben das Sagen, Nazi-Gegner werden bedroht, die Polizei tut nichts, demokratische Parteien sind nicht präsent...
Die Geschichte: die Nachkriegszeit ist geprägt von wirtschaftlichem Aufschwung, in der kein Platz ist für ehrliche Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nazi-Regimes. Und damit Platz für die Verbrecher des Nazi-Regimes, um kleine und große Posten einzunehmen in allen maßgeblichen Bereichen der Gesellschaft: Lehrer, Juristen, Ärzte, Erzieher, Militärs, Geheimdienstler, Politiker  - bis hin in höchste Machtpositionen. So konnten Männer mit Nazi-Vergangenheit Ministerpräsident werden (Filbinger), Bundeskanzler (Kiesinger), Bundespräsident (Carstens) ....
Bekämpft, denunziert, beschimpft, kriminalisiert wurden nur die Gegner. Mit der Demokratisierung der Gesellschaft durch die „68er“ begann zwar ein Prozeß der Aufklärung (zumal zunehmend die alten Nazis ausstarben), aber in Köpfen und Strukturen blieb doch eine Menge vom rassistischen Ungeist hängen.
Seit ich mit Beginn der 80er Jahre politisch denken kann, wurde Gewalt von rechts immer verharmlost. Der Spruch vom „auf dem rechten Auge blind“ sein in Bezug auf Justiz und Politik war jederzeit zutreffend. Ich bin auch selbst in der Zeit der 80er Jahre von Rechten bedroht worden und Hakenkreuze auf Türen bestimmter Häuser waren auch in oberhessischen Dörfern keine Ausnahme.
Verwundert es wirklich, dass in diesem Geist eine rechte Verbrecherbande entstehen kann, die mordend durch das Land zieht? Es wurde bisher nicht zur Kenntnis genommen, dass die Zahl der Todesopfer von rechter Gewalt die von linker und islamistischer Gewalt zusammengerechnet um ein vielfaches übersteigt. Und jeder kann sich vorstellen, welch gewaltiger Justiz-Apparat in Gang gesetzt worden wäre, wenn die Opfer nicht sogenannte Ausländer, sondern deutsche Bänker oder Politiker gewesen wären...
Es ist an der Zeit von der Politik Zeichen zu setzen und  nicht nur Reden zu schwingen. So wäre zu erwarten, die Kanzlerin an der Spitze einer Anti-Nazi-Demo zu sehen und persönlich diejenigen zu unterstützen, die gegen die Rechtsradikalen kämpfen.
Denn das entscheidende ist noch immer nicht ausreichend in den Köpfen und Herzen der Menschen: Rassismus ist nicht irgendeine Meinung, die man tolerieren kann, sondern ein Verbrechen!

November 2011

Es wird Herbst. Die Zeit ist auf Winter umgestellt, die Tage werden dunkler. Traditionell wird in diesen Tagen gerne mal eine Kerze angezündet, Advent ist nicht mehr weit und so finden in unserer Region auch zunehmend Lichterfeste in Dörfern statt, die in zeitgemäßer Form Traditionen neu beleben.
Wie ein solches Licht sind auch die wachsenden Proteste gegen die Macht der Märkte zu bewerten.  Selbst in den USA, wo im Sommer noch die reaktionären Parolen der rechtsradikalen „Tea Party Bewegung“ die Schlagzeilen beherrschten, wird massenhaft vor den Banken gegen den „Finanzkapitalismus“ demonstriert. So auch in zahlreichen Orten in Europa, bei uns schwerpunktmäßig im Frankfurter Bankenviertel.
Das wurde auch Zeit. Denn die unheilige Allianz von Großbanken, Konzernen und Politik, die in der Konsequenz den Ausverkauf von Demokratie bedeutet kann nur durch den Widerstand der Bevölkerung gestoppt werden. Bis jetzt ist es ein Gefühl des „so kann es nicht weitergehen“, welches immer mehr Menschen bewegt. Was noch fehlt ist eine Alternative, die von einer breiten Mehrheit getragen wird. Diese zu finden ist alles andere als einfach. Denn die Lage ist kompliziert.
Die internationale Verstrickung der Märkte ist mit der Unterstützung der Regierungspolitik von vielen Jahren (im Grunde Jahrzehnten seit den 1980er Jahren) so massiv gewachsen, dass man da nicht so einfach von heute auf morgen herauskommt. Wie schon Meister Goethe sinngemäß sagte: „Die Geister, die ich einst rief, werde ich heute nicht mehr los...“
In der Bundesrepublik tragen alle Parteien dafür eine Verantwortung, die seit den 1980er Jahren in der Regierung waren. Darunter leidet natürlich die Glaubwürdigkeit, wenn man sich dieser Verantwortung nicht wirklich stellt. Dass dafür besonders die FDP bei Wahlen die Quittung erhält, weil sie sich besonders konsequent für die ungezügelte Freiheit des Profits weniger auf Kosten der Allgemeinheit eingesetzt hat, ist nur logisch. Aber das bringt uns natürlich auch nicht weiter...
Ich habe an dieser Stelle schon häufiger die Ansicht vertreten, dass es vor allem eine Änderung unseres Konsumverhaltens bedarf, um Märkte und Politik zu beeinflussen. Dieser Zusammenhang erscheint mir auch hier entscheidend.
Wenn man z. B. im Rhein-Main-Gebiet gegen die unerträgliche Lärmbelästigung der Anwohner durch Nachtflüge demonstriert, so muss es eine Konsequenz sein, schlichtweg weniger zu fliegen. Oder gezielter Waren einzukaufen, die nicht ständig mit Flugzeugen über den halben Globus transportiert werden. Nur mit einem solchen Umdenken kann langfristig eine wirkliche Veränderung stattfinden.


Oktober 2011

Das Thema Gewalt wurde in letzter Zeit in verschiedensten Varianten wieder vermehrt öffentlich diskutiert. Dazu eine provokative Frage: Was sind eigentlich die paar brennenden Autos in Berlin (womit dort auch Wahlkampf gemacht wurde) gegen die Gewalt gegen Tiere in der Massentierhaltung? Wer beispielsweise die Fernsehdokumentation über den Umgang mit Menschen und Tieren beim Wiesenhof-Konzern gesehen hat, kann eigentlich diese fabrikmäßige Form der „Tierverwertung“ nicht mehr akzeptieren. Da hier mal wieder die von bestimmten politischen Kräften beschworenen „Selbstheilumgskräfte des Marktes“ nicht funktionieren, muss es eine klare gesetzliche Regelung geben, welche die Massentierhaltung verbietet.
Ich weiß, jetzt kommt als Entgegnung, man muss doch die Menschen satt kriegen, dafür braucht man industrielle Landwirtschaft und außerdem die Arbeitsplätze ...
Auf diese Märchen muss heute niemand mehr hereinfallen: Es ist längst nachweisbar, dass massenhafter Fleischkonsum in den Industriestaaten ein Grund mit für den Hunger in der Welt ist. Niemand muss zwanghaft zum Vegetarier werden, aber eine deutliche Reduzierung des Fleischverzehrs und vor allem ein bewußter, respektvoller Umgang damit, schafft nicht nur Würde für die Tiere, sondern ist ein Beitrag gegen den Hunger in der Welt (und für einen selber übrigens auch gesünder).
Ein anderer Aspekt von Gewalt wurde beim Gedenken an das Verbrechen vom 11. September 2001 thematisiert. Hier kann man rückblickend erkennen, wie verheerend es ist, wenn auf Gewalt Gegengewalt erfolgt. Die Reaktion der USA und seiner sogenannten Verbündeten auf den 11. September haben letztlich weitaus mehr Opfer gefordert als die Opfer des  Anschlags in den USA.
Der damalige US-Präsident Bush handelte nach dem alten biblischen Prinzip „Auge um Auge - Zahn um Zahn“ und berief sich dabei auf das Christentum - auch wenn eine solche Reaktion genau dem Gegenteil vom Geist Christi entspricht. Die Folge: eine Spirale der Gewalt, die noch heute andauert und Zehntausende von Opfern gefordert hat und fordert.
Dass ein Staat und seine Bürgerinnen und Bürger auch ganz anders damit umgehen können, bewies Norwegen nach dem Attentat eines rechtsradikalen, christlichen Fundamentalisten. Für das kleine Norwegen hatte diese Verbrechen durchaus eine ähnliche Dimension wie der 11. September für die große USA. Doch anders als dort war die Reaktion eine friedliche: man ließ sich nicht beirren auf dem Weg des Miteinanders von verschiedenen Kulturen und Religionen, im Gegenteil man verstärkte die diesbezügliche Kommunikation. Dieser Weg ist der Richtige ...

September 2011

Es ist auf den ersten Blick verwunderlich, warum sich gegen den derzeitigen schleichenden Demokratieabbau kein spürbarer Widerstand regt - von Protestbewegungen Jugendlicher in Spanien und Griechenland mal abgesehen. Ein Generalstreik weltweit gegen die Macht der sogenannten Finanzmärkte wäre eine durchaus angemessene Reaktion.
Nun ist es ja so, dass formal an den demokratischen Strukturen ja nichts verändert wird; auf dem Papier werden keine Grundrechte abgeschafft. Nur; die Regierungen in den westlichen Demokratien hecheln dem Diktat der Finanzmärkte hinterher anstatt die Interessen der Bürgerinnen und Bürger zu vertreten. Abwählen? Nicht so einfach, denn wo sind die Alternativen? Das eigentliche Problem liegt natürlich tiefer. Zur Macht der Finanzmärkte gehört auch die Macht der Medienkonzerne. Sie sorgen mit allumfassender Propaganda für diese Mischung aus Ablenkung und Angst, die den Großteil der Menschen eine Alternative zur sogenannten freien Marktwirtschaft gar nicht denken lässt. Früher, in den achtziger Jahren zum Beispiel, ging das mit dem Slogan Freiheit statt Sozialismus. Die Freiheit der Märkte allerdings ist in Wahrheit die Freiheit des Geldverdienens. Mit Moral, Menschenwürde, geistiger Freiheit hat das nichts zu tun. Man müsste den Slogan umdrehen: Freiheit statt Kapitalismus, könnte der heißen.
Wie Medienmacht funktioniert kann man an so etwas scheinbar harmlosen wie der Kultur anschaulich wahrnehmen. Eventkultur wird kreiert. Mit entsprechendem Marketing, wofür richtig Geld investiert wird, werden zum Beispiel bestimmte Comedians aufgebaut. Und so wird dann das belanglose Geplapper eines solchen plötzlichen „Promis“ zum Event. Dieses Prinzip ist natürlich auch auf regionaler Ebene sichtbar. Wenn zum x-millionstenmale das „Phantom der Oper“ gezeigt wird und man dazu eine  Schlossparkkulisse wählt, das ganze in den regionalen Medien entsprechend vermarktet, werden schon die Massen strömen... Die Politik springt bei Kulturförderung gerne bei Events mit auf, denn im Publikumswirksamen lässt sich gerne für die nächste Wahl werben. So geht es auch im „Großen“. Wenn Fernsehsender ihre Spenden-Galas für die sogenannte dritte Welt veranstalten kommt - mit dem entsprechenden Marketing - punktuell eine ganze Menge Geld zusammen. Doch genau diese Energie müsste in etwas wirklich veränderndes investiert werden. „Brot statt Rüstung“ wäre eine erste große Maßnahme, um so etwas wie Rüstungsgeschäfte mit Saudi-Arabien zu verhindern. Vor allem aber die Ausbeutung der Resourcen in sogenannten Dritte-Welt-Ländern müsste öffentlichkeitswirksam, langfristig als das dargestellt werden was es ist: ein Verbrechen.
Vielleicht würden dann mehr Menschen erwachen und sich nicht damit abfinden, dass „die Märkte“ die Demokratie außer Kraft setzen.


August 2011


Als apätabends der Taxifahrer laut Amy Winehouse im Radio hört, wird mir ganz traurig zumute. Als große Künstlerin jung gestorben - „am Leben gescheitert“ - wie es dann heisst. Und als Kontrast sehe ich wie aus einem Albtraum das Gesicht dieses Norwegers vor mir: blond, blauäugig, „Herrenmensch“, wie die Nazis ihn bezeichnet hätten. Ein Massenmörder im Namen des Christentums, verblendet vor Hass auf die multikulturelle Gesellschaft, Verursacher eines der furchtbarsten terroristischen Attentate in Europa. Ob jetzt auch christliche Bischöfe unter Generalverdacht geraten, wie das in Bezug auf den Islam der Fall war nach entsprechenden Attentaten? Sicher nicht. Wäre ja auch genauso unangebracht wie es beim Islam unangebracht ist. Aber den Zusammenhang zu fundamentalistischer Denkungsweise - denn muss man herstellen und der existiert in christlich-rechts-konservativen Kreisen genauso wie die islamistische Version. Talkshow-Fratzen tauchen in meinem Kopf auf. Die Hetzer gegen die multikulturelle Gesellschaft. Ob sie ihre geistige Verantwortung hinterfragen? Schließlich hat da einer ihr Gedankengut konsequent in die (verbrecherische) Tat umgesetzt... Bestimmt nicht. Der ideologische (Un)Geist zeichnet sich ja gerade dadurch aus, nicht zu hinterfragen, sondern immer recht zu haben. Und die us-amerikanische sogenannte „Tea-Party“ - auch so eine christlich-fundamentalistische Bande - nimmt gerade über die rechtskonservative Partei der Republikaner Einfluss auf die us-amerikanische Regierung. Das finde ich übrigens besonders beängstigend.
Weitere Gesichter tauchen auf. Sauerland, Duisburger Oberbürgermeister, politisch Verantwortlicher der Love-Parade-Katastrophe von vor einem Jahr. Gerade wurde den Toten gedacht. Anstatt dass der im Knast sitzt, wo er moralisch hingehört (ich weiß, nicht juristisch), ist der noch immer Oberbürgermeister. Unfassbar.
Und ich frage mich, wieso kommen immer wieder solche Typen in Politik und Wirtschaft in die Machtpositionen. Von der „großen Politik“ bis hinein in die kommunalpolitischen Strukturen auch unserer Region, auch hier gibt es solche Leute. Typen, die geprägt sind von Eitelkeit, Selbstgerechtigkeit, Ellbogenmentalität. Dagegen scheint für große Künstler - wie  z. B. Amy Winehouse - häufig kein Platz auf dieser Welt. Wie gesagt: ich frage mich warum. Wir könnten diese Typen ja in die Bedeutungslosigkeit schicken wo sie hingehören - warum tun wir es nicht endlich?

Juli 2011


Wer oder was sind eigentlich "die Märkte"? Haben wir die gewählt? Ich jedenfalls nicht. Dabei scheint das ja so eine Art neue Weltregierung zu sein. Ihre Pressesprecher sieht man auch schon jeden Abend in den Nachrichten, wie sie in der Frankfurter Börse stehen und deutlich machen, welche aktuellen politischen Maßnahmen gut für "die Märkte" sind. So müssen jetzt die europäischen Regierungen im Zusammenhang mit der sogenannten Griechenland-Hilfe abwägen, ob sie dem Bürgerwillen entsprechen und neben den Steuergeldern auch ein bisschen Banken und Versicherungen beteiligen oder eben nicht, weil das - so wird behauptet - dann besser für "die Märkte" sei. Denn diese könnten sonst verdammt böse werden. Und neben Griechenland noch andere Staaten in die Pleite ziehen ebenso wie diverse Großbanken. Einer ihrer mächtigen Gehilfen, eine sogenannte "Rating-Agentur" hat kürzlich französische Großbanken mit einer Abstufung bestraft und das kann schnell dazu führen, dass die dann nicht mehr kreditwürdig sind. Apropo Macht: Mit der sozusagen fiktiven, globalen Geldwirtschaft wird mittlerweile ein vielfaches mehr an Geld umgesetzt als in der Realwirtschaft. Was selbst Wirtschaftsprofessoren und Philosophen zuletzt zu der erschreckenden Erkenntnis brachte, das diese "Märkte" nicht nur nicht mehr kontrollierbar, sondern auch nicht mehr erklärbar sind - auf deutsch: niemand kann sie mehr verstehen, so sehr haben sie sich verselbstständigt. Dabei sind sie nicht vom Himmel gefallen. Die politisch Mächtigen der 1980er Jahre haben sie installiert, in den 1990er Jahre begannen sie zu "arbeiten", danach haben sie mit Hilfe des Internets die Macht übernommen. Es ist wie mit der Atomkraft. Man verliert die Kontrolle. Die Politik beschwichtigt die Öffentlichkeit: alles ist sicher - und denkt: irgendwie wird es schon gut gehen. Wie bei der sogenannten Bankenkrise, als Kanzlerin Merkel und Finanzminister Steinbrück sich vor die Kameras stellten und sagten: die persönlichen Ersparnisse sind sicher. Obwohl natürlich jeder Mensch der nachdenkt weiß, dass, würden alle ihr Geld sofort von den Banken holen, das ganze System zusammenbräche. Denn wenn ich Geld zur Bank bringe, ist es innerhalb kürzester Zeit verschwunden - eben in die undurchschaubaren globalen Finanzmärkte.
Nun könnte man ja über dieses virtuelle Treiben gelassen hinwegsehen, sollen sie doch ihr Monopoly spielen - aber: gestorben an Hunger wird real. Denn das ist die Folge "der Märkte". Menschen fallen raus aus dem undurchschaubaren Milliardengeldfluss. Konsequent weitergedacht werden die Menschen überflüssig. Das Ganze ist in einem solchen Ausmaß irrational und menschenverachtend - dagegen ist eine Sekte ein Hort der Vernunft. Was dagegen tun? Selbst wenn irgendjemand die Macht hätte einen radikalen Schnitt zu machen (ich wüsste nicht wer), und alle Börsen schließt, Aktiengesellschaften und Geldtransaktionsgeschäfte verbietet oder ähnliches - die Folgen wären unabsehbar.
Also was ist zu tun? In der Geschichte war immer die Kunst ihrer jeweiligen Zeit voraus. Die jeweils zeitgenössische Literatur, Musik, Malerei war gesellschaftlich nicht anerkannt oder wurde sogar bekämpft und erst im Nachhinein wurden ihre Erkenntnis begriffen. Heute bedeutet das: einen Gegenpart bilden zu dem multimedialen Getöse, welches uns von Stadttheatern bis digitalen Kulturkanälen als zeitgenössische Kultur verkauft wird. Dieser Gegenpart ist: Porträts malen von menschlichen Gesichtern, Geschichten erzählen von realen Menschen, in einer klaren, einfachen Sprache... Aber das ist natürlich keine allgemeingültige Antwort, sondern meine ganz persönliche Konsequenz.

Juni 2011


Um mal etwas grundlegendes zu sagen: Nicht der Mensch ist der Feind des Menschen, sondern die Ideologie ist der Feind des Menschen. Und zwar nicht eine bestimmte Ideologie, sondern die Ideologie als solches. Ich weiß, Sie werden jetzt sagen, die Ideologie fällt ja nicht vom Himmel, sie ist ja vom Menschen gemacht. Das ist richtig. Nur, sie ist gewachsen aus Furcht. Aus Furcht sich selbst zu vertrauen. Und seinem Nächsten. Es kommt also darauf an, diese Furcht zu überwinden.
Ich weiß natürlich nicht, ob Graf Blender von G. (Sie wissen wen ich meine) aus Furcht zum Betrüger geworden ist. Eigentlich müsste man über einen solchen Scharlatan auch nicht viele Worte verlieren. Ich will es aber jetzt doch tun und zwar deshalb, weil die Propagandazentrale der herrschenden Politik, die BILD-Zeitung, eine wesentliche Rolle dabei spielt. Dass die Springer-Presse einen missliebigen Politiker in verantwortlicher Stelle scheinbar nach Belieben fertig machen konnte, war ja bekannt (was auch für sonstige Prominente gilt). Dass sie aber auch einen Politiker sozusagen erschaffen konnte, der von der Mehrheit der Deutschen als "bester und beliebtester Politiker" angesehen wurde, das war neu. Mit Hilfe diverser Fernsehsender wurde Graf Blender von G. aufgebaut, einem BILD-Zeitungs-Blondchen als "Biografin" inklusive, geschickt in den Talkshows platziert. Zunächst wurde dann mit seiner Demontage noch das Bild des eigentlich tollen Politikers aufrecht zu erhalten versucht, der halt einen blöden Fehler gemacht hat. Was der tolle Politiker mit der sogenannten Bundeswehrreform verunstaltet hat - darüber schlagen gerade seine Parteifreunde die Hände über den Kopf zusammen. Aber egal - auch nachdem klar geworden ist, dass Graf Blender von G. nichts anderes als ein mieser kleiner Wichtigtuer in Gnaden der BILD-Zeitung war, will sein Parteivorsitzender, dass er bald als Hoffnungsträger der CSU wiederkommt. Da sind wir aber gespannt ....
Etwas sehr tröstliches hat das Ganze: Graf Blender von G. ist entlarvt und also die BILD-Zeitung und ihre Handlanger doch nicht so allmächtig wie es scheint. Der Kelch der Berlusconi-Verhältnisse ist also gerade noch mal an uns vorübergegangen. Dennoch darf man diese geballte Medienmacht nicht unterschätzen. Aktuelles Beispiel: mit möglichst langen AKW-Laufzeiten lässt sich sehr, sehr viel Geld verdienen. Und so werden insgeheim bei den Helfershelfern der entsprechenden Konzerne schon die Messer gewetzt, um zumindest noch ein paar Jährchen herauszuholen, gegen die derzeitige Stimmung in der Bevölkerung. Man sollte also immer darüber nachdenken, wer denn die Geldgeber sind, wenn man Fernsehen schaut oder Zeitung liest ...

Mai 2011

Die Kommunalwahl ist vorbei, die Kommunalpolitik kann beginnen. Unabhängig von Prozenten und Sitzverteilungen bietet gerade jetzt die Kommunalpolitik eine große Chance zur Weiterentwicklung der Demokratie. Es ist auf vielen Ebenen sichtbar, dass sich immer mehr Menschen nicht mehr damit zufrieden geben, alle 4 oder 5 Jahre mal ein Kreuzchen zu machen oder gelegentlich bei einer Volksabstimmung ihre Stimme abzugeben. Das Misstrauen in die "große" Parteipolitik und in die Macht der Konzerne wächst; und das ist gut so. Wir Bürgerinnen und Bürger müssen das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen. Das ist eine neue Grundstimmung und die lässt sich besonders da, wo man lebt am direktesten umsetzen. So gibt es z. B. in immer mehr Kommunen in Deutschland den sogenannten "Bürgerhaushalt" (näheres im Internet unter www.buergerhaushalt.de). Hier können sich Menschen direkt mit Ideen, aber auch konkreten Anträgen für Projekte einbringen und selbst mitentscheiden, wofür Haushaltsgelder ausgegeben werden; aber auch Vorschläge für Einsparungen machen. Ist dies nicht auch etwas für unsere Region? Ein Anfang wäre schon mal mehr Transparenz und Mitsprache in den bestehenden Gremien. Es muss Schluss sein mit den kleinkarierten Parteienspielchen bis hinein in die Ortsbeiräte. So sollte es für jeden Bürger möglich sein im Ortsbeirat seine Meinung zu sagen und Anträge zu stellen. Die bisherige Bürgerbeteiligung in Form der Hessischen Gemeindeordnung ist dagegen eine Mogelpackung. Was da an Offenlegung vorgegaukelt wird, ist in Wahrheit unverständliches "Amtsdeutsch", welches nur abschreckt und das Gegenteil von Bürgerbeteiligung bewirkt. Gerade am Beispiel der Energiepolitik wird sich zeigen, dass eine wirkliche Wende nur gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern gelingen kann. Denn gerade bei diesem Thema wird deutlich, dass es nicht nur um Energieträger geht, sondern darum, wer sie bestimmt. Anstatt Machtkonzentration muss dezentrale Energieversorgung in der Hand der Bürgerinnen und Bürger die Zukunft sein. Ich kann nur sagen: Kleingeistiges Parteiengezänk, eitle Selbstdarstellung und billige Polemik bin ich leid, und ich hoffe, mit mir die allermeisten Bürgerinnen und Bürger. Es ist die Zeit für besonnene Zuhörer mit Weitblick, die über die nötige Autorität verfügen, zügig klare Entscheidungen herbeizuführen. Wir bieten dafür weiterhin ein offenes Medium, in dem ich mir konkrete, konstruktive Vorschläge und Ideen anstatt Polemik wünsche.

April 2011

Die Frage, ob ein militärischer Einsatz in Libyen gerechtfertigt ist oder nicht, fällt mir schwer zu beantworten, ist gewissermaßen ein innerer Konflikt, eine Art „Wahl zwischen Pest und Cholera“. Der eigentliche Streit, der dringend ausgetragen werden muss, ist ein viel tiefer liegender - und da findet man auch schnell die Verbindung zu den Schlussfolgerungen aus der AKW-Katastrophe in Japan. Denn auf grausame Weise wird erneut deutlich, dass das Profitstreben von wenigen über das Wohl der Menschen gestellt wird. Die Verlogenheit der Regierung in diesem Zusammenhang (und natürlich nicht nur der jetzigen Bundesregierung sondern auch ihrer Vorgänger-Regierungen) ist nur noch schwer zu ertragen. Denn es ist immer das gleiche: mit menschenverachtenden Diktaturen wird Handel getrieben, bis hin zum Waffenhandel. Firmen die Waffen in solche Länder liefern, stehen für mich moralisch auf der gleichen Stufe wie Verbrecher. Geschäftemacherei mit Diktaturen muss beendet werden - auch wenn das wirtschaftliche Folgen für den Export haben sollte.
Auch in der Frage der Kernkraft wird überdeutlich, dass es  Profitinteressen waren und sind, die die Laufzeiten der Kernkraftwerke immer weiter in die Länge ziehen. Dass zur Rechtfertigung von Kernkraftbefürwortern gelogen und gedroht wird, ist da nicht verwunderlich. Gern genommen wird in diesen Tagen die Lüge, Kernkraft würde einen Beitrag zum Klimaschutz liefern. Wahr ist, dass die Klimabelastung hauptsächlich durch Heizung, Abgase u. ä. entsteht. Wie relativ gering der Stromanteil ist, stellt man schon fest, wenn man sich seine Nebenkostenabrechnung anschaut. Und das mit den Kosten: derzeitiger echter Ökostrom ist nicht nennenswert teurer - einfach deswegen, weil diese Anbieter keine so gigantischen Gewinnspannen haben, wie die großen Energiekonzerne. Hier liegt auch die entscheidende Konsequenz, die gezogen werden müsste: Das Energiekartell in Deutschland mit den vier beherrschenden Konzernen müsste enteignet werden. Und umgewandelt in einen staatseigenen Betrieb, der für die Netze zuständig ist, in denen dann möglichst viele dezentrale, genossenschaftliche Betriebe (z. B. Stadtwerke) die Energieversorgung anbieten. Das wäre übrigens auch viel mehr „echte Marktwirtschaft“, wie sie doch die FDP immer gerne vollmundig fordert. Die Energieversorgung eines modernen Gemeindewesens ist viel zu bedeutend, als dass man sie profitgierigen Großkonzernen überlassen könnte. Hier gehört möglichst viel an Einfluss in die Hand der Bürgerinnen und Bürger. Ein Ansatz, der genau in diese Richtung geht, ist z. B. das Ziel der Gemeinde Ebsdorfergrund, eine selbständige Energieversorgung der Gemeinde zu schaffen. Darin liegt die Zukunft, hoffentlich ...

März 2011

Es gibt je genügend öffentlich diskutierte Themen über die man sich ärgern kann. Was mich aber zuletzt richtig wütend gemacht hat, ist die Diskussion über angeblich vorbildliche „chinesische“ Erziehungsmethoden anhand der Buchveröffentlichung einer chinesisch stämmigen US-Amerikanerin. Da saßen zum Beispiel in einer Talkshow ein griesgrämig dreinschauender sogenannter Erziehungswissenschaftler und ein Schulleiter eines sogenannten Eliteinternats und waren allen Ernstes der Meinung, dass „Zucht, Ordnung und Drill“ wie angeblich in China praktiziert, auch als Vorbild für deutsche Kinder dienen könnten, die angeblich zu „weich“ erzogen würden.
Nun weiß ich nicht, wie der Schulalltag in China aussieht, ich war noch nie in einer chinesischen Schule (vielleicht stimmt das also gar nicht, was uns hier vermittelt wird). Tatsache ist, dass chinesische Schüler bei „Pisa-Studien“ in Sachen Naturwissenschaften sehr gut abschneiden, dafür aber keineswegs in Bereichen wie Phantasie oder soziale Kompetenz.
Tatsache ist auch, dass (wenn man mal die „gute alte Zeit-Beweihräucherung“ beseite lässt) Kinder und Jugendliche heutzutage überwiegend ein wesentlich komplexeres Wissen haben als z. B. meine Generation in dem entsprechenden Alter und dazu wesentlich selbständiger, eigenständiger, man könnte sagen geistig reifer sind.
Letztlich ist diese Diskussion eine Wertediskussion. Wer eine Armee von angepassten Ja-Sagern, uniformierte Gleichmacherei will, dem mag das vermeintliche chinesische Modell erstrebenswert erscheinen. Ich finde das furchtbar. Mir sind selbstständig denkende, phantasievolle Kinder und Jugendliche, die auch frech sind, und auch mal undiszipliniert, tausendmal lieber.
Zudem erscheint es mir äußerst fragwürdig ein Terror-Regime wie China als Erziehungsvorbild zu sehen. Es käme wohl ja niemand ernsthaft auf die Idee die Erziehung  der Nationalsozialisten mit „Zucht, Ordnung und Drill“ als Vorbild zu nehmen, oder???


Februar 2011


Es gibt Momente, wo man durch eine ernsthafte Erkrankung ganz plötzlich, unvorbereitet, aus dem Alltag gerissen wird. Dann treten Arbeit, Politik, Kunst - das, womit man sich sonst beschäftigt in den Hintergrund und es geht stattdessen um das eigene Gesundwerden. Unterstützt von den Menschen, die einem nahestehen. So ist es mir im Januar ergangen und das ist auch der Grund dafür, dass die vorliegende Februar-Ausgabe zum Teil ein paar Tage später erscheint als gewöhnlich. Als Kleinbetrieb der wir sind, ist das nicht vermeidbar und ich bitte es zu entschuldigen.
Mit der zum Glück wachsenden Genesung fällt der Blick auch wieder, wie in der letzten Ausgabe angedeutet, auf ein paar Gedanken zur Demokratie am Beispiel der Kommunalpolitik. Denn gerade hier ließe sich einiges verbessern, welches sich dann auch auf die „große“ Politik auswirken könnte, wo eine unmittelbare Veränderung natürlich viel schwieriger ist.
Strukturelle Ansätze im kommunalen Bereich gibt es ja auch. So ist auffällig, dass es in unserem Einzugsgebiet immer mehr offene Listen, die parteiungebunden sind, auf der Ebene der Ortsbeiräte gibt. Denn in der Tat sollte auf der kommunalen Ebene die Macht der Parteien möglichst weitgehend reduziert werden. Allzusehr wird in den Parteien auf Landatgs- und Bundestagsebene der Typus des Angepassten, des Karrieristen gefördert (natürlich von Ausnahmen abgesehen). Das würde sich wohl allmählich ändern, wenn schon im kommunalen Bereich auch Querdenker, Idealisten und „ganz normale Menschen“ sich politisch engagierten. Dazu können offene Listen einen Beitrag leisten. Aber das genügt natürlich noch lange nicht. So sollten alle politischen Gremien im kommunalen Bereich nicht nur öffentlich sein, sondern auch für jeden Interessierten ein Rederecht bestehen und auch die Möglichkeit Anfragen und Anträge zu stellen - ohne dass so etwas erst von der jeweiligen Versammlung beschlossen werden muss. Für die Ortsbeiräte finde ich den Ansatz der Bürgerbeteiligung bei der „Dorferneuerung“ ein gutes Beispiel. Nach einem solchen Prinzip könnten Ortsbeiräte aufgebaut werden - natürlich nicht mit dem großen finanziellen und personellen Aufwand einer Dorferneuerung - aber schon mit einem Budget, welches über das bisherige „Almosen“ hinausgeht und somit die kommunale Selbstverwaltung stärkt. Denn die ist meiner Meinung nach der Schlüssel zu einer langfristigen Verbesserung demokratischer Strukturen.




Januar 2011

Im diesem Jahr stehen einige Landtagswahlen an und auch bei uns wird gewählt, die Kommunalwahl im März 2011.
Doch gerade im abgelaufenen Jahr tauchte nicht nur bei mir immer häufiger  die Frage auf, inwieweit es noch genügt für eine moderne Demokratie sich auf das Wählen von Parteien und ihre Vertreter zu beschränken. Repräsentative Demokratie alleine reicht nicht mehr, so wird argumentiert, es muss mehr Mitwirkungsmöglichkeiten für die Bürgerinnen und Bürger geben als alle 4 Jahre ein Kreuz und die Gewählten machen lassen.
Ich denke tatsächlich, dass die Demokratie einer dringenden Erneuerung bedarf. Die Gefahr für die Demokratie lauert allerdings nicht in irgendwelchen radikalen Parteien oder im islamischen Fundalismus, sondern sozusagen im Innern.
Noch immer wird bei fast allen Repräsentanten des Staates - in Politik, Wirtschaft und Medien - der zwangsläufige Zusammenhang von freier (abgeschwächt: sozialer) Marktwirtschaft und Demokratie hergestellt. Diese ernsthafte Überzeugung nehme ich denjenigen, die in der Nachkriegszeit die Demokratie aufgebaut haben, auch durchaus ab - wenn ich persönlich auch nie daran geglaubt habe, seit ich politisch denken kann.
Und heute ist die Situation eine andere. Das wird deutlich am Terrorregime China (welches sich wie zum Hohn „Volksrepublik“ nennt). China zeigt, dass man in einer Diktatur bestens Geld verdienen kann, viel besser als in einer Demokratie und zahlreiche westliche Konzerne machen gerne mit. Und das es Blödsinn ist - wie man uns weismachen wollte - dass, wenn der Handel frei ist, auch der Geist frei wird und somit Freiheit und Demokratie quasi von alleine kommen.
Der „freie Geist“ wird aufgekauft und dient dann der Gewinnmaximierung, Resourcen für das „Menschenmaterial“ sind in Ländern wie China und Indien genügend vorhanden.
Längst hat China damit großen Einfluss gewonnen, wie die Nichtteilnahme von einigen Ländern an der Verleihung des Friedensnobelpreises an einen chinesischen Regimekritiker zeigt. Aber auch die „demokratischen“ westlichen Staaten, allen voran Deutschland machen gute Geschäfte mit China - Demokratie? Egal.
Im Gegenteil: man lernt vom chinesischen Prinzip. Sozialabbau, wachsende Armut - mit der Globalisierung lässt sich alles erklären und natürlich käme keiner auf die Idee mit dem Terror-Regime China keine Geschäfte mehr zu machen.
Diesen Leuten, die für eine solche Doppelmoral stehen, kann man nicht mehr vertrauen. Man hat das Gefühl, sie verkaufen Demokratie, Menschenrechte, die Würde des einzelnen. Und wollen uns noch weismachen, von der Realisierung von Großprojekten hinge das Wohl unseres Landes ab. Verständlicherweise unterstellt man da Geschäftsinteresse anstatt Allgemeinwohl.
Welche Ansätze es geben könnte, unsere Demokratie zu reformieren gegen den Ausverkauf, darüber möchte ich nächsten Monat schreiben - hauptsächlich am Beispiel der bevorstehenden Kommunalwahl.




Dezember 2010

Geht es Ihnen gut? Es muss uns ja allen jetzt großartig gehen, denn die Wirtschaft wächst wie seit langem nicht mehr. Und das ist der Maßstab. So wird es uns erzählt, jedenfalls seit ich politisch denken kann. wenn die Wirtschaft wächst, verdienen die Konzerne, schaffen Arbeitsplätze und also geht es uns allen gut. Wirklich? Und wem genau?
Von den Lügen, die uns so tagtäglich aufgetischt werden um bestimmte Interessen durchzusetzen, ist diese Lüge sicherlich die konsequenteste.
Ein kleines Beispiel: Die Gegend um den Kilimandscharo in Afrika ist wasserreich. Jahrhundertelang nutzten dies die dort lebenden Menschen - als Nahrungsquelle, für ihr Vieh, für Ackerbau. Jetzt können sich diese Menschen dort nicht mehr ernähren, die Böden sind ausgetrocknet. Der Grund? Das Wasser wurde in Kanäle abgezapft, um in der nächstgrößeren Stadt Plantagen-Fabriken für die Aufzucht von Rosen mit Wasser zu versorgen. Für einen großen Konzern, für den Blumenmarkt in Europa. Und die Wirtschaft wächst ...
Ein kleines Beispiel, von denen sich zahlreiche aufzählen ließen.
Wirtschaftswachstum als solches führt nicht zu mehr Reichtum der Allgemeinheit, im Gegenteil: zerstört Lebensgrundlagen, ist verantwortlich für den Tod von Menschen. Um den Reichtum von wenigen zu vergrößern. Es ist entscheidend, welche Art von Wirtschaft wächst: ist es nachhaltig, hilft es Menschen, ihr Leben selbst zu bestimmen oder vermehrt es die Abhängigkeit?
Wenn unsere Spitzenpolitiker und Wirtschaftsfunktionäre über Werte reden, sind meistens die sogenannten deutschen Interessen gemeint. Die Zusammenhänge mit Umweltzuerstörung und Verelendung in weiten Teilen der Welt werden verschwiegen. Überspitzt gesagt (im Zusammenhang mit der sogenannten Integrationsdebatte): wenn die sogenannten „Kopftuchmädchen“ von Zwangsverheiratung bedroht sind, muss das in Deutschland bekämpft werden, ist ja mit „christlichen Werten“ nicht vereinbar - wenn das woanders in der Welt geschieht, ist das natürlich egal, also abschieben, fertig!
Wenn wir schon bei „christlichen Werten“ sind (ist ja bald Weihnachten): auf der Vorstandsebene der großen Konzerne wäre wohl dringend eine „Tempelreinigung“ im Sinne von Jesus Christus nötig ...
Aber solange solche Inkarnationen der Arroganz wie z. B. die FDP-Schnösel Lindner (es gibt gleich zwei die so heißen) ihre Handlangerdienste für die regierenden Konzerne verrichten, wird nur ein Wert wirklich gelten: der Mehrwert des Geldes!


November 2010

Bei der Propaganda und Demagogie, die in letzter Zeit in der Öffentlichkeit niederprasselte, weiß man gar nicht, wo man anfangen soll.
Also beschäfte ich mich heute mit der „Energielüge“: Ganz im Stile der 80er Jahre wird mal wieder die Behauptung aufgestellt, Atomkraft sei notwendig, sonst gingen „die Lichter aus“. Früher bedachte man die Atomkraftgegner mit dem Slogan „Zurück in die Steinzeit“. Ähnlich werden heute die Kritiker als Fortschrittsfeinde beschimpft. Neu ist allerdings die Begründung der Befürworter, man bräuchte die Atomkraft, um langfristig die Wende zu erneuerbaren Energien umsetzen zu können.
Wenn man sich ansieht, wie die vier uns beherrschenden Energiekonzerne die Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke der Bundesregierung diktierte, konnte man erkennen, was wirklich dahintersteckt: handfeste kommerzielle Interessen. Verschleiert wurde das damit, dass ein Teil der Gewinne der Konzerne in die erneuerbaren Energien investiert werde und die Strompreise billiger würden. Ein Kabarettist hat das mal so ausgedrückt: Das ist, wie wenn ich einem Einbrecher erlaube in mein Haus einzubrechen, mein Geld und meine Wertsachen zu stehlen, unter der Voraussetzung, dass ich später einen Anteil an der Beute wieder zurückbekomme ...
Deutlich werden die Zusammenhänge auch, wenn man derzeitige Kampagnen verfolgt, die die Solarenergie madig machen soll, in dem diese angeblich zu teuer sei. Die fragwürdigen Gutachten, die das belegen sollen, werden (was zunächst versucht wurde zu verschleiern) von der US-amerikanischen Öl-Lobby bezahlt, denen die Energiepolitik von Präsident Obama ein Dorn im Auge ist.
Hoch interessant ist in dem Zusammenhang auch ein kürzlich gesendeter Fernsehbericht, bei dem es um norwegische Wasserkraftwerke ging. Diese könnten soviel Energie erzeugen, dass innerhalb kürzester Zeit der Großteil der mitteleuropäischen Atomkraftwerke überflüssig wären. Es gäbe auch Investoren, die die dafür notwendigen Leitungen durch das Meer bauen wollen. Aber: das deutsche Wirtschaftsministerium hat daran offenbar kein Interesse und blockiert dafür notwendige Gesetzesänderungen in der Einspeisemöglichkeit der Stromnetze.
Der Grund für beide Vorgänge ist klar: die „Lizenz zum Geldverdienen“ durch längere Laufzeiten der Atomkraftwerke für die vier großen Energiekonzerne wird durch eine solche Konkurrenz eingeschränkt. Also sorgt man bei Politikern und Behörden mit entsprechendem Einfluss, dass die Interessen gewahrt bleiben. Selbstverständlich auf Kosten der Verbraucher und der Umwelt. Aber das hat ja bekanntlich noch nie interessiert, wenn es um sehr viel Geld ging ...



Oktober 2010

In den letzten Wochen war ja mal wieder das Geblöke der “Talkshow-Stammtischer” besonders laut. Klar, dass da differenzierte Stimmen in der sogenannten “Integrationsdebatte” niedergebrüllt wurden. Aber weil man sich allzu gerne selbstgerecht und arrogant über den Isalm und insbesodere der Rolle der Frau (Stichwort “Kopftuchmädchen”) äußert, möchte ich an ein paar Dinge erinnern, die in unserer “christlichen” Gesellschaft gar nicht lange zurückliegen. So war in den Dörfern unserer Region (und nicht nur da) noch vor zwei bis drei Generationen Zwangsverheiratung (z. B. in bäuerlichen Kreisen) weit verbreitet. Ebenso verhielt es sich mit der Unmöglichkeit sich zwischen den starren sozialen Schichten zu verheiraten. Dies war bis in die 1950/1960er Jahre noch mit größten Schwierigkeiten verbunden. Eine Heirat zwischen Katholiken und Protestanten galt als Skandal. In dieser Nachkriegszeit war ebenfalls in unseren Dörfern die Unterdrückung der Frau durch religiöse Sitten und Gebräuche, bei denen man sich auf das Christentum berief, Realität. So durfte eine Frau, die ein Kind geboren hatte, ihr Haus nicht verlassen, so lange es nicht getauft war und die Taufe wurde vom Vater und dem Paten in der Kirche vollzogen, ohne die Mutter. Die Vorstellungswelt war geprägt von Ängsten und Schuldgefühlen, die ausschließlich auf der Frau lasteten. Bei einer Beerdigung z. B. war die Ordnung innerhalb des Beerdigungszuges streng festgelegt und so hatten die Frauen hinten zu gehen. Und auch auf der Ebene des Staates wird allzu leicht vergessen, dass noch in den 1960er Jahren eine Frau z. B. keine eigene Wohnung mieten konnte und so könnte man zahlreiche Gesetze aus dieser Zeit auflisten, die eigentlich eindeutig dem Grundgesetz, dass Frau und Mann gleichgestellt sind, widersprachen. Gleiches galt für Lebensformen, die sich von der bürgerlichen Ehe unterschieden, z. B. war Homosexualität strafbar und galt in der Kirche als Sünde.
Es ist schon erstaunlich, dass heute gerade die erzkonservativen Kräfte liberale Werte gegen den Islam geltend machen. Kommen  sie doch zumeist aus der gleichen politischen Ecke wie diejenigen, gegen die sich z. B. die Frauenbewegung im Zuge der “68er” ihre Rechte mühsam erkämpfen musste. Und die heute nicht müde werden, genau diese “68er” zu diskreditieren.
Das wesentliche, was diese verkrustete, starre Moral der Nachkriegszeit ins Wanken brachte, war die Stärkung des Selbstbewusstseins der Frauen. Frauen wollten selbstbestimmen über ihr Leben, ließen sich nicht mehr mit diesem Gebilde von Schuldgefühlen einzwängen. Und dieser Kampf um selbstbestimmtes Leben, muss natürlich immer weitergeführt werden und ist auch in Bezug auf die sogenannten Parallelgesellschaften, die es sicher in einigen Großstädten gibt, die Perspektive für ein selbstbestimmtes Leben islamischer Frauen. Denn je selbstbewusster diese sind, desto weniger wird das pupertäre Machogehabe der Jungs zum Erfolg führen. Sie kriegen dann einfach keine Frau mehr ab. Dann werden sie sich schon zwangsläufig ändern.
So hat das bei den “christlichen” Jungs schließlich auch funktioniert, oder ? ...



September 2010

In den vergangenen Sommerwochen bestimmten mehrere Katastrophen die Berichterstattung in den Medien. Ob Überschwemmungen, Waldbrände oder die Love-Parade - jedesmal hatte man, wenn auch in unterschiedlichen Zusammenhängen den Eindruck, dass es nicht unabwendbare Schicksalsschläge waren, die so viele Todesopfer forderten. Vielmehr schien es wie ein unheilvolles Zusammenwirken von rücksichtslosem Profitstreben mit geltungssüchtigen Politikern, welches die Katastrophen zumindest begünstigten.
Auf der anderen Seite sind zuletzt massive Proteste gegen ein Großprojekt in den Medien präsent, bei denen auch eine solch unheilvolle Konstellation von Wirtschaft und Politik im Hintergrund zu wirken scheint - Stuttgart 21. Ein Bahnhofsumbau in gigantischem Ausmaß, bei dem die Milliarden in der Kostenplanung nur so explodieren. 4 Milliarden, 6 Milliarden oder 9 - egal, man will es durchziehen.
Ganz abgesehen davon, dass man sich fragt, wieso die Deutsche Bahn Milliarden in ein Projekt steckt, damit die ICE´s ein paar Minuten schneller voran kommen, gleichzeitig aber nicht in der Lage ist, funktionierende Klimaanlagen zu bauen (um nur ein Beispiel zu nennen), ist dieser Protest auch prinzipieller, als ein kommunalpolitischer Streit im Schwabenland, der uns nichts angeht. Aus der Geschichte der 70er und 80er Jahre ist bekannt, dass der massenhafte Protest gegen Großprojekte (z. B. Startbahn West) zwar häufig das jeweilige Projekt nicht verhindern konnte, aber langfristig in den Köpfen der Menschen doch einiges veränderte. Diese Hoffnung kann man auch jetzt haben.
Immer mehr Menschen scheinen es satt zu haben, von der beschriebenen Allianz von Wirtschaftsmacht und Politik an der Nase herumgeführt zu werden. Die Argumentation ist ja immer gleich: Arbeitsplätze schaffen. Wirtschaftswachstum, ungezügelt natürlich, gigantische Investitionen in Großprojekte und dann soll es uns gutgehen. Rücksicht auf die Umwelt, soziale Strukturen? Egal.
Das dieses Denken keine Zukunft mehr hat, keine Zukunft mehr haben darf - das muss durch immer massiveren Widerstand gegen diese Wachstums-Ideologie deutlich werden. Ein kleines, aber bedeutsames Beispiel: das Öl wird immer knapper. Das ist längst bekannt, wird aber konsequent ignoriert. Umdenken? Fehlanzeige.
In der herrschenden Politik wird einfach so weitergemacht, ein radikales Umsteuern auf erneuerbare Energien und kleine, selbstverwaltete Strukturen findet nicht statt. Also liegt es an uns, diese unheilvolle Allianz von Wirtschaftsmacht und herrschender Politik aufzulösen, Stück für Stück, beharrlich ...



August 2010

Jetzt hatten wir für eine kurze Zeit nicht nur die Weltmeister der Herzen, sondern auch einen Bundespräsidenten der Herzen. Das wird aber wohl schnell in Vergessenheit geraten, denn auch Herr Wulf wird öffentlichkeitswirksam repräsentieren und sich bald der Beliebtheit erfreuen, die bei Bundespräsidenten so üblich ist. Da ein Bundespräsident ja keine politische Macht hat, muss er auch niemandem weh tun ...
Was aber die Diskussionen um die Wahl erneut gezeigt haben, ist die enorme Diskrepanz in weiten Teilen der Bevölkerung zwischen vorhandenem Interesse an Politik auf der einen und Parteiverdrossenheit auf der anderen Seite.
Man merkt das auch im kommunalpolitischen Bereich. Bei Bürgermeister-Direktwahlen haben die parteilosen Kandidaten einen großen Vorteil gegenüber denjenigen, die von einer Partei aufgestellt werden. So hatte man bei der ein oder anderen Wahl in der Vergangenheit den Eindruck, dass die Kandidaten eine eventuelle Parteizugehörigkeit lieber verschweigen.
Auch die zwei spektakulären Erfolge von Volksentscheiden in Bayern und Hamburg vor kurzem machen deutlich, dass es endlich an der Zeit ist, den Wählerinnen und Wählern wesentlich mehr Mitbestimmung zu übertragen. Auch dann, wenn einem das Ergebnis nicht unbedingt gefällt, wie es mir mit der Entscheidung in Hmaburg gegen eine längere gemeinsame Grundschule ging
Allerdings muss diese Ausweitung von Volksentscheiden oder auch mehr direkte Mitbestimmung im kommunalpolitischen Bereich von uns Bürgern wesentlich vehementer von den Parteien eingefordert werden. Schließlich gibt niemand gerne Macht ab.
So sollte man bei der nächsten “Parteien-Wahl” - über die Inhalte hinaus - auch die Zustimmung zu mehr direkter Demokratie als Argumentation für sein Kreuzchen einfließen lassen.




Juli 2010

Es ist die Zeit der Fußball-WM - eine gute Gelegenheit einmal die Abgründe der Politik links liegen zu lassen und über Fußball zu schreiben. Wobei man auch dabei verschiedene Phänomene findet, die durchaus gesellschaftliche Prozesse widerspiegeln - was ja auch für diejenigen Leser/innen interessant sein könnte, die mit Fußball gar nichts anfangen können.
Sowohl traditionsreiche Klubs als auch Nationalmannschaften von Fußball-Ländern haben eine Kultur, eine Spielkultur könnte man sagen, die für die Identität bedeutet ist. Und somit auch für die Identität des wirklichen Fans, für den übrigens der Klub immer wichtiger ist als die Nationalmannschaft.
Aber bleiben wir bei der Spielkultur der Nationalmannschaften; es ist ja deren WM und nicht die der Klubs.
Vielleicht hat es ja mit der Globalisierung zu tun, vielleicht auch mit der Medienpräsenz, aber man kann in den letzten Jahren eine Art kulturellen Wandel bei einigen Nationalmannschaften beobachten. So auch jetzt bei der WM: Da spielt Brasilien wie Italien (kein Wunder könnte man meinen, bei Brasilien spielen drei Spieler von Champions-Leage-Sieger Inter Mailand - bei denen wiederum kein einziger Italiener in der Stammelf spielt). Italien wiederum scheint auf einer Art Kultursuche, als wüssten sie selbst nicht so recht, wie sie eigentlich spielen sollten.
Deutschland dagegen scheint sich in einem Prozess des Kulturwandels zu befinden. Der deutsche Fußball stand vor allem in den 80er und 90er Jahren für ergebnisorientierte Spielweise, nicht schön aber erfolgreich. Im Gegensatz dazu wurde der Fußball unserer holländischen Nachbarn bei Fußball-Ästheten bewundert. Allerdings hatten die keinen Erfolg - schön aber erfolglos, sozusagen. Also begann man im deutschen Fußball Stück für Stück mehr auf technisch hochwertigen - also schönen - Fußball zu setzen, zum Beispiel in der Ausbildung der Nachwuchsspieler. Einen Beitrag dazu leistet sicherlich auch das von Erzkonservativen verpönte “Multi-Kulti”, wodurch bis in die A-Nationalmannschaft zahlreiche Spieler vorgestoßen sind, die ihre Wurzeln in anderen Kulturen haben.
Somit war jetzt in der WM-Vorrunde zu sehen, dass Holland wie Deutschland spielte und Deutschland wie Holland - es zumindest versuchte.  Wozu das im Verlaufe der WM noch führt, ist natürlich jetzt beim Schreiben dieser Zeilen nicht absehbar. Tatsache aber ist, dass die Deutschen bislang mit ihrer neuen Fußball-Kultur noch keinen Erfolg hatten. Der letzte internationale Titel war 2001 der Champions-Leage-Sieg von Bayern München und von der Nationalmannschaft der EM-Titel 1996. Aber kultureller Wandel braucht eben seine Zeit...
Und als Fußball-Fan träumt man natürlich davon, dass die eigene Mannschaft technisch hochwertig und schön spielt, aber auch gewinnt. Aber gerade dies bleibt eben meistens ein Traum.
Und damit wären wir dann doch wieder in der Politik: Denn träumen wir nicht alle davon, dass friedliebende, kreative und aufrichtige Persönlichkeiten die Welt regieren und nicht skrupellose Manager, die sich willfährige Kanzler und Präsidenten als Handlanger halten ...






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